Read or Die: Über RSS-Feeds

Stellt euch vor, jeden Tag legte euch ein Diener alle eure Lieblingszeitungen, -magazine und Kopien aus anderen interessanten Publikationen auf den Tisch. Obwohl sich darunter viele hochklassige und unterhaltsame Texte befinden, werdet ihr niemals die Zeit und Lust finden, sie alle zu lesen oder auch nur zu überfliegen. Also denkt ihr euch: Kein Problem, sie werden morgen oder nächste Woche immer noch genauso gut sein wie heute. Und das stimmt, doch morgen und nächste Woche bringt euch der gewissenhafte Diener die nächsten Ausgaben, und die Papierstapel wachsen immer weiter in die Höhe. Vernünftig, wie ihr seid, entschließt ihr euch, den Realitäten ins Auge zu sehen, die Türme einzureißen und zum Altpapier zu werfen. So verfahrt ihr nun regelmäßig, nachdem ihr ein paar Artikel gelesen habt, die eure Aufmerksamkeit gewannen.

Read or Die

Ihr bemerkt, dass ihr diese Artikel allmählich nach seltsamen Kriterien auswählt. Welche Überschrift verspricht die größte Unterhaltung? Welches Aufhängerbild macht euch neugierig auf den Text? Welche Zeitschrift habt ihr schon lange nicht mehr gelesen? Kaum habt ihr euch für eine kleine Auswahl entschieden, legt euch der Diener die nächsten Ausgaben auf den Schreibtisch.

Eines nahen Tages fragt ihr euch, womit eine eurer Lieblingszeitungen gerade titelt, und kommt unterwegs an einem Kiosk vorbei. In euch reift die Erkenntnis: Warum zur Hölle beauftrage ich einen Diener, mir stapelweise Artikel zu beschaffen, die ich größtenteils nicht lese, wenn ich mir die Artikel, die ich lesen möchte, selber besorgen kann?

Der Informationsflut entkommt man, indem man eine überschaubare Vorauswahl an Quellen trifft. Doch dazu genügt mir auch eine Handvoll Browser-Lesezeichen oder die allmächtige Omnibox-Adressleiste.

Tatsächlich abonniere ich seit Jahren keine RSS-Feeds mehr. Das hat zur Folge, dass ich nicht über neue Blog-Einträge von mir sympathischen Autoren informiert werde. Zu dem Umstand, dass ich sowieso eine Schlampe bin, was Kommentare auf anderen Blogs angeht, gesellt sich darum auch eine nicht unbeträchtliche Verspätung. Gelegentlich kriege ich aber auch über Twitter mit, wenn jemand etwas Interessantes schreibt – und ich nutze Twitter selber (auch) für kurze “Programmhinweise”.

Benutzt ihr noch RSS-Reader, abonniert ihr noch Blogs?

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6 Responses to Read or Die: Über RSS-Feeds

  1. Hotaru says:

    Also ich hab aktuell Google Reader, aber das wird ja bald weg vom Fenster sein, also wird Bloglovin meine Alternative sein. Das setze ich dann als Lesezeichen über den Tabs. Da klick ich dann immer jeden Tag darauf und schaue, was neu dazugekommen ist. Da muss ich nur scrollen, das geht dann fix, selbst wenn aus den paar Artikeln ein Berg geworden ist. :)

  2. Ich nutze durchaus noch RSS, auch nachdem der Google Reader die Schotten dicht gemacht hat. Ich schätze RSS dafür, dass ich auf einen kurzen Blick einen Überblick über den News-Feed einer Seite bekommen kann und mir die interessanten Artikel rauspicken kann, statt jedes mal über die Seite an ewig viel Text und Bildern vorbei scrollen zu müssen. Ich habe aber auch schon Feeds wieder abbestellt, wenn ich gemerkt habe, dass ich häufiger auf “alle als gelesen markieren” drücke, als auch nur einen Artikel daraus zu lesen. Außerdem gibts dann auch noch nette Aggregator-Beiträge wie den Ubuntu Wochenrückblick, der mir das abonnieren von z.B. Heise erübrigt. Eine andere Nützliche Sache ist auch das markieren von Artikeln oder schlicht erst mal nicht drauf drücken, wenn man noch nicht lesen will, weil keine Zeit oder wie im Bereich Anime auch mal Spoiler enthalten kann.

    Letztlich ist es aber mit Twitter ähnlich, wenn dort Leute Artikel verlinken – entweder man ließt täglich oder es häuft sich so sehr an, dass man alles wegdrückt. Auch hier kann man selber das Volumen bestimmen, einfach weniger Leuten followen, oder solchen, die nicht jeden Furz mitteilen müssen.

    • Kelhim says:

      Der Ubuntu-Wochenrückblick ist wirklich nett, alle Informationen (oder besser: Links zu ihnen) auf einen Blick. Den rufe ich allerdings auch direkt im Ikhaya auf. :P

  3. Seba says:

    In letzter Zeit überkommt mich immer stärker die Ahnung, dass die Anzahl derer, die noch RSS-Feeds nutzen, sich an einer Hand abzählen lässt.

    Ich finde RSS-Feeds zusammen mit RSSOwl als Client nach wie vor super-praktisch. Meine Filter verschieben einige Artikel entweder direkt in den Müll oder heben sie farbig hervor, wenn sie besonderes Interesse versprechen. Ich wollte RSS nicht missen und wüsste nicht, wie ich es sinnvoll ersetzen könnte.

    Zu deinem Artikel bin ich auch über den RSS-Feed gelangt. ;)

    Es sind auch nicht nur Blogs, für die RSS gut ist. Anime/Mange-Seiten verkünden auf die Weise oft neue Folgen/Serien/Kapitel, genauso Podcasts neue Episoden und YouTube bietet einen persönlichen Feed mit allen neuen Videos der Channel, denen man folgt.

    Auch wenn RSS in der Masse vermutlich nie große Beachtung finden wird (und jetzt mit dem Tod von Google Reader noch weniger), stirbt es hoffentlich nie aus. Oder wenn, dann nur um von einer besseren Alternative abgelöst zu werden.

  4. Kelhim says:

    Hey, gut, dass ihr sie noch benutzt! *g*

    Ich habe damals mit mehreren Ordnern im RSS-Reader gearbeitet, um Kategorien wie Anime von anderen zu trennen, aber wenn jeden Tag irgendjemand etwas schreibt und ich nicht jeden Tag mitlese, staut sich da in jedem Ordner etwas an, und das gibt mir dann irgendwann ein schlechtes Gewissen. Noch ein Grund, warum ich nur noch selber Artikel aufrufe. ^^

  5. Boijin says:

    Ich hab eigentlich gar keine RSS-Feeds mehr abonniert, sondern gucke nur noch bei den paar Seiten die mich interessieren (dannychoo, kotaku,…) vorbei ob es was neues gibt und lese dann bei Bedarf. Das mit dem Twittern von neuen Artikeln finde ich sehr gut, da mir hier interessante Artikel direkt ins Auge stechen. @Boijin

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