Worum es geht
Zwei junge Musikstudenten, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten: Shinichi Chiaki hochbegabt, strebsam und von anderen bewundert, ein Multitalent am Klavier und der Violine, das sich seiner Fähigkeiten sehr bewusst ist und dessen Lebensziel es ist, ein berühmter Dirigent zu werden – Megumi Noda (“Nodame”) ebenfalls eine sehr begabte, aber infantile Pianistin, die allerdings nur aus Spaß an der Musik spielt und überhaupt keine musikalische Karriere anstrebt, außerdem ungepflegt und unordentlich ist und als seine Nachbarin jeden Abend bei ihm zu Abend isst. Zu allem Überfluss verliebt sich Nodame auch noch in Chiaki. Doch wie lange werden die beiden so ihren Weg gemeinsam gehen können …?
23 Episoden, © Tomoko Ninomiya, J.C. Staff
Story: 9
Zwar würde ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, aber meines Wissens hat es noch nie einen Comedy-Anime gegeben, der sich so auf Musik konzentriert und die Hochs und Tiefs der beiden Protagonisten verfolgt. Die Mischung aus Comedy und klassischer Musik ist originell und besonders für Freunde von Klavierklängen interessant. Die Geschichte wird fließend erzählt, Zeit und Orte ändern sich meist innerhalb der Folgen, dadurch wirkt sie sehr stetig und gut durchdacht, weniger abgehackt. Dem einen oder anderen kommt vielleicht die “Liebesbeziehung”, wenn man denn davon sprechen kann, zwischen Chiaki und Nodame zu kurz, aber genau dafür bin ich den Machern sehr dankbar – der Anime gefällt mir vor allem wegen seiner Leichtigkeit und seines Humors, und beides würde dadurch nur gestört, “belastet” werden. Spannung kommt vor allem bei musikalischen Herausforderungen auf, die die beiden zu meistern haben, zwischendurch sorgen das Zusammenspiel der Charaktere für gute Unterhaltung und Laune.
Tatsächlich kann ich nichts an der Story bemängeln: interessant, lustig, spannend, originell. Der “Wow!”-Effekt fehlt allerdings, manche Szenen hätte man durchaus dramatischer präsentieren können. Darum vergebe ich nicht die Höchstwertung.
Art & Animation: 7
Das Budget für diesen überraschend beliebten Anime war nicht besonders groß, und das sieht man ihm leider auch an. Charakterdesign und die Zeichnungen der Umgebungen wirken eher angestaubt und können mit anderen aktuellen Produktionen nicht mithalten. Im Gegensatz zu Kare Kano (His and Her Circumstances) werden skizzenhafte Zeichnungen auch nicht künstlerisch anspruchsvoll präsentiert. Auch die Animationen fallen spärlich aus, das fällt besonders bei den Übungen und Auftritten eines Orchestras auf, wo dann einfach ein Standbild mit Musik überspielt wird. Einzig die Instrumente werden wirklich gut als Computergrafiken dargestellt und animiert, aber auch nur in Nahaufnahmen, mit dem Namen des Sponsors Yamaha drauf – und dann ist der Kontrast viel zu stark, da sie so aus der Reihe fallen. Die Farben fallen auch nicht besonders auf, insgesamt sind sie eher blass gehalten. Schade, da wäre mehr drin gewesen, wenn man nur mehr in die Serie vertraut hätte.
Musik & Sound: 10
Hier gibt es wiederum von meiner Seite nichts auszusetzen. Da es sich um einen Anime mit dem Schwerpunkt auf Musik handelt, ist es nicht verwunderlich, dass gerade die sehr gut gelungen ist. Mit “Allegro Contabile” ist Suemitsu & The Suemith ein tolles Opening Theme gelungen, das perfekt den Geist des Animes einfängt: stimmungsvoll, gut gelaunt und durch ein bisschen Klavierklimpern dazwischen einen Hauch klassisch. Derselbe INterpret ist auch für das zweite Ending Theme “Sagittarius” verantwortlich, ein langsameres, aber schönes und melodisches Stück. Das erste Ending “Konna ni Chikaku de …” ist von Crystal Kay und überzeugt durch einen mitreißenden Gesang – wenn man es zum ersten Mal hört, wird es sehr wahrscheinlich ein Ohrwurm, und manche Stellen (“Dooooshite! Dooooshite!”) prägen sich einfach ein. Auch während der Show wird einem musikalisch etwas geboten, in dem Fall allerdings ausschließlich Klassik.
Man merkt einfach, dass den Machern des Anime die Musik sehr wichtig war, und das zahlt sich aus.
Charaktere: 9
Es macht wirklich Spaß, die Charakterentwicklung zu beobachten. Chiaki versprüht eine irgendwie elitäre Auro, denn er ist das große Talent unter den Studenten und ist sich seines Status’ bewusst, trotzdem arbeitet er hart an sich, um noch besser zu werden. Darum versteht er zunächst nicht, wie Nodame trotz ihres unbestrittenen Talents so wenig für den Feinschliff tut, von ihrer Kindlichkeit und Naivität ganz zu schweigen. Nodame hingegen fühlt sich bei den engen Vorgaben ihrer Lehrer und der Auslegung der Klassik viel zu beengt, sie spielt nach einem flüchtigen Blick auf das Notenblatt lieber ihre eigene Version des Stücks. Mit der Zeit lernen beide, sich besser zu verstehen. Um Chiaki bildet sich währenddessen ein Orchestra, zu dem unter anderen Ryuutarou Mine gehört, der stylishe erste Geiger des Orchestras, aber auch der emotionale, homosexuelle Masumi Okuyama, der Interesse an Chiaki zeigt und sich wegen ihm mehrmals mit Nodame anlegt. Aber der größte unter den Charakteren ist der irre, perverse deutsche Dirigent Franz von Stresemann alias “Milch”, der Chiaki und Nodame sehr viel Ärgert bereitet, sich aber als erfahrener Musikliebhaber mit hohen Ansprüchen herausstellt – der ist einfach klasse! Warum taucht der später nicht mehr auf?! Ein weiterer Pluspunkt ist die Einführung des sich überschlagenen Ausrufs “Gyabooooooo!” (O-Ton Nodame).
Fazit:
Ein Anime mit vielen interessanten Charakteren, ausgezeichneter Musik, unverbrauchter Story und altbackener Grafik. Wer schon immer mehr Klassik in Anime hören wollte, für den ist Nodame Cantabile ein absolutes Muss! Für alle anderen ein lustiger Underdog, dem ihr eine Chance geben solltet!



