Anime-Review: Another

Worum es geht

Eine allseits beliebte Mittelschülerin kommt tragisch ums Leben – doch ihre Klasse nimmt ihren Tod nicht hin und verhält sich bis zum Schulabschluss so, als sei ihr nichts geschehen. Und tatsächlich lächelt sie auf dem Abschlussfoto in die Kamera. 26 Jahre später leben die nachfolgenden Schüler des Klassenzugs in Angst vor dem Fluch, der jeden Monat Schüler und Angehörige tötet …

12 Episoden, P.A. Works

Another | Screenshots

Story: 7

Was sich zunächst wie ein klassischer Vertreter von Horrorfilmen nach dem Schema “Und dann gabs keines mehr” präsentiert und keine Gelegenheit auslässt, über die Jahre symbolhaft aufgeladene Elemente wie verstörende Puppen, Augenklappen oder nächtliche Fahrstuhlfahrten alle paar Minuten wie blinkende Hinweisschilder zu platzieren, spielt in Wirklichkeit sehr intelligent mit den Erwartungen des Zuschauers und erzeugt sie mit ganz einfachen Mitteln. Nachvollziehbarerweise vertiefe ich mich nicht in Details, doch beispielhaft sei die Puppe erwähnt, die Misaki anfangs mit ausdruckslosem Gesicht mit sich in Richtung Leichenhalle eines Krankenhauses trägt: Wir alle wissen dank unserer film- und besonders animegeschichtlichen Erfahrung sofort, dass mit diesem Mädchen etwas nicht stimmt, ja, sogar ganz gehörig schiefläuft. Gleichzeitig sind es solche Szenen, die aus denselben Gründen eher Neugier wecken denn Grusel erzeugen. Wie in einem Geisterfilm, in dem jemand an einem großen Spiegel vorbeiläuft und die Erwartung einer schrecklichen Reflektion provoziert, die, egal ob sie erfüllt wird oder nicht, den beabsichtigten Schrecken berechenbar macht, spüren wir auch hier bereits die Kälte der Geisterwelt aufsteigen, ohne zu frösteln. Doch der Anime ist genrekompetent genug, sich dies zunutze zu machen.

Im Kern ist der Anime also ein Krimi und kein Horrorfilm. Hinweise werden implizit und explizit gegeben, und es lohnt sich, einige Szenen ein zweites Mal zu sehen und den Gesprächen aufmerksam zu folgen. Leider entscheidet er sich aus unverständlichen Gründen gegen einen Schluss, der tatsächlich von der Aufmerksamkeit des Zuschauers profitiert.

Soweit ich weiß, unterscheidet sich das Ende von dem seiner Mangavorlage, die wiederum wie so oft auf einem Light Novel basiert, doch Anime dürfen sich als eigenständige Werke durchaus von den Fesseln des Grundstoffs befreien und eigene Wege einschlagen. Ich kritisiere das Ende des Anime nicht, weil es vom Manga abweicht, sondern weil es sich innerhalb des Anime wie ein Fremdkörper anfühlt. Bis dahin vielversprechende Handlungsstränge werden nicht befriedigend zuendegeführt, zentrale Enthüllungen fühlen sich mangels Hinweisen oder wenigstens Andeutungen wie unfaire Taschenspielertricks an, und meine Güte, wer hat den Charakteren den letzten Funken Verstand aus dem Schädel geprügelt, dass es so weit kommen muss? Viele Fragen wurden nicht beantwortet und zwar nicht auf eine ambivalente Art nicht beantwortet, die Raum für die eine oder die andere folgenschwere Möglichkeit gibt, sondern überhaupt nicht – als seien sie vergessen worden. Gegebene Antworten wiederum sind nicht erst auf den zweiten Blick unlogisch. Das Schlimmste von allem ist, dass dieses unausgegorene Ende vermeidbar gewesen wäre. Doch darauf werde ich vielleicht in einem separaten Eintrag ausführlicher eingehen und an dieser Stelle auf Spoiler verzichten. Positiv möchte ich allerdings hervorheben, dass der Schluss trotz allem nicht so vorhersehbar ausfällt, wie man nach einigen Folgen eben wegen Erfahrungen mit ähnlichen Handlungskonstrukten berechtigterweise hätte erwarten können. Das ist und bleibt der große Pluspunkt der Serie: Sie wandelt auf eigenen Pfaden. Das honoriere ich und teile nicht die Meinung, dass alles Vorherige, Schöne, Spannende, Unterhaltsame von einem schlechten Ende diskreditiert wird.

Art & Animation: 10

Am besten lässt sich die optische Qualität am Beispiel des Yomiyama-Mittelschulgebäudes beschreiben: Die steinernen Stufen zum Schulhof weisen lauter Sprünge und Kratzer auf, von den Bänken auf dem Hof blättert blauer Lack ab, an den Innenwänden und besonders unter den Fenstern sieht man die Spuren längst getrockneten schmutzigen Wassers, das Geländer auf dem Dach ist von Rost zerfressen. Wer sich an den Zustand der eigenen Schule erinnert, wird bei manchem Anblick nostalgisch lächeln, denn so sehen Gebäude aus, nicht so unversehrt und rein wie in anderen Anime. Die Umwelt in diesem Anime ist voller Gebrauchsspuren, die ihr Alter und Geschichte verleihen. Allgemein ist die Grafik der Serie wahnsinnig detailverliebt bis zu dem Punkt, dass man die Holzmaserung von Tischen irgendwo im Hintergrund erkennt. Manchmal geht sie etwas zu weit, zum Beispiel wenn die Raufasertapete im Hintergrund gestochen scharf ist und vom Sprecher im Vordergrund ablenkt, wie mir das in der dritten Folge besonders auffiel. Ein bisschen mehr perspektivische Unschärfe täte ihr gelegentlich gut.

Erstaunlich ist die geringe Zahl von Standbildern: Man ist ja gewohnt und akzeptiert auch, dass die Figuren in Weitwinkelansichten nicht animiert werden, sondern das Bild nur in eine Richtung geschoben und mit einem Lebhaftigkeit simulierenden Stimmenauflauf unterlegt wird – hier nicht. Auch das computergenerierte spiegelnde Flusswasser fügt sich wunderschön in die Landschaft ein und ist ein glänzendes Beispiel für die gelungene Integration von CGI in handgezeichnete Bilder, wie sie noch häufiger zu bewundern ist: Wellen am Strand, Regenpfützen, ja, selbst Staub.

Musik & Sound: 9

Mit langsamen Retorten-Balladen wie dem Ending Theme kann ich bekanntlich nichts anfangen, und ich beginne zu glauben, dass Japaner im Durchschnitt einfach einen anderen Musikgeschmack haben als ich, anders kann ich mir das nicht mehr erklären. Mittlerweile höre ich mir die allermeisten Ending Themes einmal, höchstens zweimal an und breche danach die Wiedergabe ab. Sorry, Annabel. Aber das ist ein anderes Thema! Das Opening Theme von Ali_Project hingegen wechselt zwischen Rasanz und dunkel-hypnotischem Gesang und nimmt zum Schluss wieder Fahrt auf. Die Stimmen sind durchgängig angenehm, keine Piepsstimmen. Die Soundeffekte passen und werden sinnvoll eingesetzt, manchmal wurde ich sogar regelrecht überrascht, dass die Macher sich die Mühe gaben, sie an bestimmten Stellen einzubauen, zum Beispiel das Geräusch des Auftretens auf nassem Sand in der obligatorischen Strandfolge. Einmal konnte mich ein Handyklingeln fast ein bisschen erschrecken, obwohl das Verhalten bei eingehenden Anrufen ganz offensichtlich allein für diesen einen Effekt von Vibrationsalarm auf Klingelton umgestellt wurde. Da ich als Laie nach der Maxime “Wenn mir nichts in Erinnerung bleibt, war es wohl schlecht; wenn mir was in Erinnerung bleibt, kommt es drauf an” bewerte und das Ending Theme mehr oder weniger verzeihe, vergebe ich hier eine hohe Punktzahl.

Charaktere: 8

Im Gegensatz zu vielen anderen Anime, deren Charaktere überwiegend zur selben Schulklasse gehören, werden hier überraschend wenige Klischées fortgepflanzt. Ja, auch diese Serie kennt wieder den Brillenschlangen-Streber, den Joey-Wheeler-Kumpel, das Machoweib, die schüchterne Meganeko, die Geheimnisvolle, den mäßig interessanten Good Guy und viele andere. Allerdings findet man in Schulklassen Vertreter solcher Typologisierungen, darum ist das gar kein Kritikpunkt. Und hier werden sie nicht auf die Spitze getrieben oder gar auf eine Eigenart reduziert, sondern zeigen in vielen kleinen Situationen und Nebengesprächen ihre Wünsche und Gedanken, die sie als eigenständige menschliche Wesen glaubhaft machen: Die Krankenschwester, die sich mit Kouichi anfreundet und ihm bei seinen Nachforschungen über ein vormals dort behandeltes Mädchen helfen will – im vollen Bewusstsein, dass sie eigentlich der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt. Die überhaupt nicht giftig gemeinte Bemerkung eines Schülers zu seinem Freund, die Highschools nähmen heute fast alle Bewerber auf, selbst ihn, er solle sich da mal keine Sorgen machen. Der Gesichtsausdruck, als ein Schüler erfährt, dass die Mitschülerin, die er wahrscheinlich mag, auf eine Highschool in Tokyo wechseln wird, wohin er ihr nicht folgen kann. Kouichis Tante Reiko, die so mustergültig brav aussieht, aber am Steuer ihre Mitfahrer schlucken lässt. Kouichis kurze Handygespräche mit seinem in Indien forschenden Vater. Es sind unwichtige Kleinigkeiten, welche die Charaktere authentisch und mehrdimensional wirken lassen und den Zuschauer zu einem gelegentlichen Grinsen verleiten. Ein weiterer Charakter ist definitiv ein japanischer Dick Hallorann, was ja auch nicht schlecht ist.

Natürlich haben sie auch Schwächen, und es sind besonders die beiden Hauptpersonen Kouichi und Misaki, die Tiefe bzw. Logik vermissen lassen. Dazu muss ich nicht viel schreiben, denn das wird sich in der letzten Folge von selber erklären, aber es sei gesagt, dass Misakis Augenklappe vielleicht das nutzloseste, ja, schädlichste vormals als bedeutsam dargestellte Accessoire ist, das ich seit Langem in Anime gesehen habe. Die für die Story bedeutsamen Gedächtnislücken scheinen auch ziemlich willkürliche Ausprägungen anzunehmen. Und die große Enthüllung am Schluss ist nicht nur erzähltechnisch, sondern auch charakterlich ein Witz. Überhaupt fallen bei den meisten Mitschülern am Ende ein paar Millionen Synapsen aus. Und gewissen Erwachsenen, für die eine, wie ich finde, sehr schwache Erklärung gegeben wird.

Obwohl Kritik am Verhalten mancher Charaktere mehr als angebracht ist, empfand ich sie in anderen Aspekten die meiste Zeit über als wohltuend … normal, glaubhaft und später sogar sympathisch.

Fazit:

Mehr Splatter-Krimi als Horror ist Another eine intelligent erzählte Geschichte mit fantastischer Grafik und Animationen, menschlichen Charakteren statt Abziehbildern und einem schwachen Ende, das unfreiwillig den Fokus auf einige Storylücken setzt, statt sie zu füllen, wie es mit den bis dahin gestreuten Hinweisen möglich gewesen wäre. Trotz dieser größten Schwäche ist der Anime spannend, geheimnisvoll und unterhaltsam, und mit nur zwölf Episoden wurde genau die richtige Länge für eine solche Geschichte gewählt.

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How to GIMP: Pergament-Textur

Mit einem fulminanten How to GIMP-Eintrag über Pergament-Texturen melde ich mich aus dem Sommer-, Herbst- und Winterschlaf zurück! Und weil es dafür schon unzählige Tutorials im Internet gibt, dachte ich: “Hey, was die Welt braucht, ist noch eins von mir!” Willkommen bei Animentor.de – Leistung aus Leidenschaft.

Man braucht eine kleine Palette sehr nah beieinander liegender Farben, denn ein zu starker Farbkontrast erhöht die Tiefe des Bildes und erinnert mehr an rauen Stein denn an einen glatten Beschreibstoff. Für altes Pergament bieten sich Ockertöne an, neu hergestelltes Pergament ist deutlich heller. Ein altes Schriftstück könnte diese sechs Farben verwenden:

Eine mögliche Farbpalette für ein altes Pergament.

Eine mögliche Farbpalette für ein altes Pergament.

Jede Farbe füllt eine ganze Ebene, dabei liegt diejenige Farbe ganz unten, welche das Pergament dominieren soll. Danach erstellt man im Dialog “Kanäle” einen neuen Kanal mit 100%-iger Deckkraft und fügt darauf ein plastisches Rauschen (“Filter” -> “Render” -> “Wolken” -> “Plastisches Rauschen”) mit Zufallswert, X- und Y-Werten von 10 oder mehr und Details von 15 ein.

Plastisches Rauschen

Plastisches Rauschen

Das Ergebnis ist ein grauer Nebel, dessen Fetzen aber kaum zusammenhängen.

Plastisches Rauschen – konturloser Nebel …

Plastisches Rauschen – konturloser Nebel …

Das muss sich ändern, und dafür schärft man ihn mit einem Wert von 95 (“Filter” -> “Verbessern” -> “Schärfen”). Dann öffnet man den Dialog “Farben” -> Werte” und schiebt den schwarzen Regler im Quellwerte-Histogramm so lange nach rechts, bis der linke Wert bei etwa 170 liegt – der weiße Regler wandert dann so lange nach links, bis der rechte Wert etwa 180 beträgt. Der Kanal muss nun unsichtbar gemacht werden.

Plastisches Rauschen – zusammenhängende Flecken

Plastisches Rauschen – zusammenhängende Flecken

Nachdem man die oberste Ebene ausgewählt hat, fügt man eine Ebenenmaske aus dem eben erstellten Kanal hinzu. Unter den weißen Flächen der Maske bleibt die obere Ebene sichtbar, unter den schwarzen Flächen scheint die darunterliegende Ebene durch. Das Ergebnis ist eine Grundfarbe mit ein paar Tupfern oder Flecken.

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – gut, aber es geht noch besser …

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – gut, aber es geht noch besser …

Das Verfahren lässt sich mit allen Ebenen (außer der untersten) wiederholen. Wer diesen Absatz nicht zuende liest, wird wahrscheinlich bemerken, dass die Tupfer aller Ebenen an denselben Stellen erscheinen – logisch, wenn man die genau die gleiche Ebenenmaske benutzt. Die Lösung ist aber einfach und erfordert gar keine neuen Kanäle mit plastischem Rauschen: Weil Ebenenmasken genau wie die Ebenen selbst bearbeitet werden können, reicht es, sie einfach im Ebenendialog zu markieren und sie in 90-Grad-Winkeln zu drehen (“Ebene” -> “Transformieren”) – schon hat man die Tupfer an anderen Stellen. Noch mehr variieren kann man, indem man die Ebenenmaske vergrößert (“Ebene” -> “Ebene skalieren”) – auf diese Weise werden die Tupfer größer oder kleiner, was die Struktur des Pergaments wesentlich interessanter macht.

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – verschiedene Transformationen erzeugen vielfältigere Struktur

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – verschiedene Transformationen erzeugen vielfältigere Struktur

Schließlich werden die Ebenen zusammengefügt oder aus dem Sichtbaren ein neues Bild erzeugt (“Bearbeiten” -> “Sichtbares kopieren” bzw. “Einfügen als”). Wem das Ergebnis zu körnig ist, kann es natürlich noch weichzeichnen (“Filter” -> “Weichzeichnen” -> “Gaußscher Weichzeichner”). Und wer es wie ich als Textur verwenden möchte, macht es nahtlos, damit es an allen Seiten beliebig oft wiederholt werden kann, ohne dass die Grenzen des Bildes erkennbar sind: “Filter” -> “Abbilden” -> “Nahtlos machen”).

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Check in the Box: Kampf gegen Spam

Ha, Check in the Box, haha! Ihr wisst schon, weil es ja eigentlich Jack in the … *räusper* Jedenfalls! Spam! Ein ernstes Problem!

Announcement: A really important announcement is to be announced after announcing this announcement!

Announcement: A really important announcement is to be announced after announcing this announcement!

Obwohl dieser bei aller Bescheidenheit ziemlich großartige Blog nicht sooo bekannt ist, zieht er eine beachtliche Menge Spam an wie eine Straßenlaterne die Mücken. Glücklicherweise landen 99% automatisch im Mülleimer. Es waren einmal 100%, doch leider kommen die letzten ein Prozent nun beinahe täglich durch den Filter. Diese Kommentare sind einerseits sehr schmeichelhaft (And I will spice up my entry titles, many thanks for the suggestion, CheapDesignerShoes555!), andererseits bin ich wie gesagt sehr bescheiden und verzichte darum gerne auf sie.

Ab jetzt befindet sich unter dem Textfeld für neue Kommentare eine kleine Checkbox. Um den Kommentar abzuschicken, muss zuerst der Haken oder das Kreuzchen, oder was auch immer bei euch angezeigt wird, entfernt werden. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein hoffentlich unmöglicher Schritt für Spam-Bots!

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Anime-Review: Occult Academy

Worum es geht

2012, die Erde wird von Außerirdischen verwüstet. Doch eine kleine Widerstandszelle nutzt die feindliche Technologie aus und schickt einen Agenten ins Jahr 1999, um den Ausbruch der Katastrophe zu verhindern: Uchida Fumiaki alias Uchida Bunmei alias Abe Minoru alias Nummer 6 muss den Schlüssel des Nostradamus finden und zerstören. Kaum in der Vergangenheit gelandet begegnet er Kumashiro Maya, der neuen Direktorin der Waldstein Academy, wo alles begann …

13 Episoden, 4 Bonus-Episoden, A-1 Pictures, Aniplex

Occult Academy | Screenshots

Story: 6

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Dieser Anime ist ein Beispiel dafür, wie es ist, wenn viele ordentliche Kurzgeschichten in Ton und Inhalt nicht zusammenpassen. Mit einem starken Akzent auf Slapstick, Situationskomik und Running Gags erweckt er den Eindruck, als bereite er nur ein harmloses Mystery-Spektakel, doch die letzten drei Episoden, in denen die eingangs beschriebene Haupthandlung mit aller Wucht zuendegeführt wird, demonstrieren, dass sie eigentlich ernstgenommen werden will. Doch die logischen Fehler und seltsamen Verhaltensweisen, die bei einer Comedy-Serie zugunsten einer guten Laune in den Hintergrund treten, werden bei diesem Kontrast erst offensichtlich. Der Anime weiß nicht, was er sein will.

Exemplarisch sei erwähnt, dass der ehemalige Direktor der Waldstein Academy und Vater von Kumashiro Maya wegen seiner Forschungen über den Schlüssel des Nostradamus ermordet wurde und dass seine Tochter den Schlüssel finden und den Tod ihres Vaters rächen will. Zusammen mit dem Zeitreisenden Uchida Fumiaki bildet sie ein Team, um die Welt vor dem Untergang zu retten! In den nächsten acht Folgen tun und suchen sie dann alles Mögliche, nur nicht den Schlüssel des Nostradamaus und die Mörder ihres Vaters. Was vollkommen in Ordnung wäre, wenn die humorvoll erzählte Eingangsgeschichte vom Weltuntergang nur der Auftakt für eine Reihe von anderen humorvoll erzählten okkulten Kurzgeschichten wäre. Doch im letzten Viertel der Serie schlägt sie dem Zuschauer plötzlich mit aller Ernsthaftigkeit zurück ins Gesicht.

Die einzelnen Kurzgeschichten über okkulte Phänomene rangieren für sich genommen zwischen durchschnittlich und gut. Die Haupthandlung dagegen ist bei dem Versuch, besonders clever zu sein, notgedrungen mit logischen Fehlern gespickt. Da ich sie an dieser Stelle nicht im Detail ausführen kann, um nicht zu viel zu verraten, lagere ich sie in einen eigenen “Woran Occult Academy scheitert”-Artikel aus.

Art & Animation: 10

Occult Academy ist wunderschön. Genauer gesagt ist es einer der schönste Anime, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Die Animationen sind flüssig, die Farben stimmig, die Umgebungen detailreich und lebhaft, die Charakterdesigns eine Freude, die Perspektiven dreidimensional, und der Anime setzt auch nicht auf kunterbunte Effekte und Landschaftsmalereien, um eine Fülle von äußerlich langweiligen Szenen vergessen zu machen.

Musik & Sounds: 7

Bekanntlich mache ich meine Wertung in dieser Hinsicht von den Musikstücken zu Beginn und am Ende der Episoden und von etwaigen trommelfellzerreißenden Piepsstimmen abhängig. Über letztere muss man sich hier glücklicherweise nicht sorgen, doch die Musik hat mir länger Kopfzerbrechen bereitet. Klang das Opening Theme zuerst wie ein durchschnittliches J-Pop-Stück, dessen Melodie mit einem Zufallsgenerator erstellt wurde, fand ich es nach ein paar Folgen gar nicht mehr so schrill. Gut, man kann sich alles schönsaufen, aber ich finde es jetzt nicht mehr so schlecht. Die traurig-süße Ballade des Ending Themes passt dagegen wie gewohnt nicht zum Anime. Der Soundtrack blieb mir nicht in Erinnerung. Ich kann nicht einmal sagen, ob es überhaupt einen gibt – mit einer Ausnahme: In einer der ersten Folgen und während der späteren Hexenjagd wird ein Stück gespielt, das mich sehr an “Maxwell’s witch” aus El Cazador de la Bruja erinnerte, was gut ist, sehr gut.

Charaktere: 7

Lange war ich unschlüssig, wie ich die Charaktere beurteilen sollte, doch schließlich kam mir die Erleuchtung: Alle Charaktere, die ganz überwiegend für die Haupthandlung von Bedeutung sind, mit Ausnahme der beiden Protagonisten, sind oberflächlich, eindimensional und geradezu lächerliche Abziehbilder. Ein Negativbeispiel sind Kawashima Chihiro, die Vize-Direktorin der Waldstein Academy, und ihre Liebe zu Uchida, dem Zeitreisenden. Sie entbehrt jeglicher Grundlage, ihre plumpen Annäherungsversuche sind ganz offentlich dem Comedy-Schwerpunkt geschuldet. Genauso identitätslos ist die attraktive junge Köchin und Kellnerin Nakagawa Mikaze, in die sich Uchida schnell verliebt – in einer Hinsicht bricht sie jedoch das Klischée: Mir gefällt ihr Hang zu Sportwagen und ihr gemeingefährlich rasender Fahrstil, der letztlich aber nur ein Feigenblatt vor dem ganzen Fanservice ist. Daran ändert auch ihre später etwas größere Rolle in der Haupthandlung nichts.

Im Vergleich dazu sind Uchida Fumiaki (dessen Vergangenheit als löffelkrümmendes Wunderkind seine Beziehung zu seiner Managerin und Mutter, wahrscheinlich in dieser Reihenfolge, nachhaltig beschädigte) und Kumashiro Maya (deren Vater so sehr in seinen Studien und dem Aufbau der Waldstein Academy aufging, dass sie selber eine Verachtung dem Okkulten gegenüber entwickelte) geradezu vielschichtig. Besonders stark ist die Wirkung der beiden im Team, wenn Uchida mal wieder alles falsch macht, was er nur falsch machen kann, und die von allen nur Maya genannte Cholerikerin ihm genau diese Anrede versagt. Ein großer Teil der Lacher geht auf das Konto des Zusammenspiels dieser beiden. Darum war ich ein bisschen vom Ausgang ihres Verhältnisses in der letzten Folge enttäuscht. Mayas Schulfreundinnen entsprechen den üblichen Klischées: kurzhaariger, extrovertierter Hitzkopf und kleine Nerdin mit Brille. Trotzdem gelingt es ihnen, der Serie die Leichtigkeit zu verleihen, die einen Teil des Kontrasts zum hastigen Finale ausmacht. Schließlich sei das Duo aus dem Schulmechaniker mit dem riesigen Schraubenschlüssel und dem Gothic-Wünschelrutengänger hervorgehoben, das immer wieder lustige Momente schafft.

Fazit:

Handwerklich spitze, meistens lustig und mit vielen ordentlichen Kurzgeschichten unterhaltsam, übernimmt sich Occult Academy mit dem Anspruch, darauf zusätzlich eine Zeitreisen-Aliens-Magier-Weltuntergangs-Geschichte aufzusetzen. Wer auf diese Erwartungshaltung verzichtet, wird an dem Anime dennoch seine Freude haben.

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How to GIMP: Überbelichtung korrigieren

Der ewige Kampf zwischen Licht und Dunkelheit erfasst nun auch Animentor.de, und wenn du dem Link folgst, bist du bereits von allen bösen Geistern der Finsternis besessen und landest wahrscheinlich nach dem Tod in der Masse der Verdammten. Doch auch mit dem Licht kann man es übertreiben. Diese Ausgabe von How to GIMP hilft, die richtige Balance zu finden!

Überbelichtete Bilder sieht man sehr oft, der Effekt wird auch künstlerisch (oder für eine sehr schmeichelnde Retusche …) benutzt. Dabei sind Flächen auf dem Bild viel heller, als sie es in Wirklichkeit sind, manchmal gleißend hell. Der Betrachter kann dann viele Details gar nicht mehr erkennen.

Hier ist ein Beispiel eines extrem hellen Bildes, auf dem die Einzelheiten der Weizenähre geradezu im Licht untergehen. Die holen wir jetzt zurück ans Licht … äh, aus dem Licht … wie auch immer!

Überbelichtete Weizenähre

Quelle: Jeff Meyer (soundman1024, http://www.flickr.com/photos/soundman1024/1517268735/), Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en

Quelle: Jeff Meyer (soundman1024, flickr.com), Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

1. Der Farbwerte-Dialog

Man könnte zunächst meinen, dass eine Reduzierung der Helligkeit den gewünschten Effekt zeigt – doch damit würden alle Pixel pauschal um den gleichen Wert dunkler werden, der Kontrast abnehmen und letztlich aussehen wie dunkle Kleidung, die zu oft und zu heiß gewaschen wurde. Stattdessen kann man den Farbwerte-Dialog in GIMP benutzen (Farben -> Werte …). So sieht er aus:

Gimp: Werte-Dialog

Unter Quellwerte befinden sich drei dreieckige Schieberegler und zwei Farbverläufe von Schwarz nach Weiß. Was hat es mit denen auf sich? Je weiter man das schwarze Dreieck nach rechts zieht, desto mehr helle Bildflächen werden dunkler. Je weiter man das weiße Dreieck nach links zieht, desto mehr dunkle Flächen werden heller. Wenn man das schwarze Dreieck z.B. in den hellgrauen Bereich des unteren Farbverlaufs zieht, werden alle Pixel mit diesem Hellgrau in Zukunft schwarz sein – und alle helleren Pixel werden ebenfalls dunkler, allerdings wird der Effekt schwächer, je heller die Original-Pixel sind. Die ganz hellen Pixel (z.B. Weiß) bleiben also genauso hell.

Außerdem kann man extrem helle Flächen, die eher stören, etwas angenehmer machen, wenn man im Zielwerte-Abschnitt des Farbwerte-Dialogs das weiße Dreieck ein ganz kleines bisschen nach links bewegt.

Genau das, was wir suchen! Das Bild wird zwar insgesamt dunkler, aber der Kontrast verstärkt sich, statt abzunehmen!

Hier eine vergrößerte Ansicht des Quellwerte-Abschnitts. Beachtet, dass Weiß weiterhin Weiß bleibt, aber der dunkle Bereich kräftig zunimmt:

Gimp: Werte-Dialog genauer erklärt

Wir wenden ähnliche Werte auf das Bild der überbelichteten Weizenähre an und erhalten nun ein deutlich besser zu erkennendes Bild:

Gimp: Bearbeitung der Farbwerte

2. Licht und Schatten

Überbelichtete Bilder entstehen nicht nur wie oben im gleißenden Sonnenschein, sondern werden abends und nachts vom Blitz der Fotokamera verursacht. Auf diese Weise entsteht dieser oft seltsame Kontrast zwischen leuchtenden Menschen und ihrer sehr dunklen Umgebung. Hier ist ein Beispiel:

Überbelichtete Person in dunkler Umgebung

Quelle: Thunderchild7 (http://www.flickr.com/photos/24645033@N00/13395080/), Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en

Quelle: Thunderchild7 (flickr.com), Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Wenn wir hier ebenfalls im Farbwerte-Dialog den Schwarzanteil erhöhten, würden zwar die hellen Flächen etwas dunkler werden – aber die sowieso schon dunklen Flächen würden noch dunkler. Siehe die rot markierten Flächen auf dem Bild am Ende der Anleitung. Wir würden also mehr Details im hellen Bildbereich gegen weniger Details im dunklen Bildbereich tauschen. Das ist aber nicht akzeptabel. Zum Glück gibt es einen einfachen Trick.

Wir erstellen eine Ebenenmaske (Ebene -> Maske -> Ebenenmaske hinzufügen), wählen “Graustufenkopie der Ebene” und entfernen einen möglichen Haken bei “Maske invertieren”. Nicht erschrecken, wenn das Bild jetzt plötzlich halb-transparent ist. Die dunklen Bereiche sind nicht wirklich weg, nur momentan durchsichtig. Jetzt erstellen wir aus den übriggebliebenen hellen Flächen eine Auswahl (Ebene -> Maske -> Auswahl aus Maske) und löschen die Maske wieder (Ebene -> Maske -> Ebenenmaske löschen).

Das Bild wird jetzt wieder vollständig angezeigt, aber nur die hellen Bereiche sind ausgewählt. Das garantiert, dass im folgenden Schritt nur die hellen Bereiche verändert werden, die dunklen Flächen aber nicht. Wir können jetzt ganz einfach die Farbwerte verändern wie im ersten Punkt erklärt.

Hier sieht man rechts das nun ganz klar zu erkennende Bild mit dem weniger blendenden Motiv – und links das Ergebnis, wenn wir auf den Zwischenschritt mit der Maske verzichtet hätten:

Links wurden nur die Werte verändert, rechts auch die Auswahl auf die hellen Flächen beschränkt.

Links wurden nur die Werte verändert, rechts auch die Auswahl auf die hellen Flächen beschränkt.

(Diese Anleitung wurde zuerst im Mangakaforum veröffentlicht.)

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