Anime-Review: Terror in Resonance

Worum es geht

Eine zweiköpfige Terrorgruppe namens “Sphinx” versetzt Tokyo mit Bombendrohungen in Aufregung. Nach der Sprengung eines Turms des Tokyo Metropolitan Government Building, des Regierungsgebäudes der Präfektur Tokyo, ermittelt die Polizei mit Hockdruck. Als Sphinx die Polizei mit Rätseln über griechische Mythologie herausfordert, wird der in Ungnade gefallene Ex-Kommissar Kenjirou Shibazaki wieder aus dem Archiv beordert und an die Spitze des Ermittlungsteams berufen … Und welche Wahl trifft die vom Leben gestrafte junge Risa Mishima?

11 Episoden, MAPPA

Terror in Resonance | Screenshots

Story: 8

Eine gute Geschichte birgt einen erzählerischen Kern unter der Oberfläche ihrer einzelnen Ereignisse, der sie fest miteinander verbindet, und das gilt besonders für kürzere Geschichten wie diese. Welchen Kern birgt Terror in Resonance? Meine Eindrücke sind noch zu frisch, um ihn mit Gewissheit auszumachen, doch Terrorismus und Terrorismusbekämpfung sind bei aller Aktualität, die sie wieder erfahren könnten, nur die Kulisse für eine andere Art von Terror bis zum Missbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen und in der Folge um das Bestreben nach (mehr) Souveranität. Risa, Shibazaki, Japan in Gestalt mancher Politiker haben jeweils andere Subjekte, mit denen sie eigentlich gut auskommen sollten, fühlen sich jedoch an den Rand gedrängt, ihrer für sich beanspruchten Rolle entzogen. Auch das Sphinx-Duo befand sich einmal vor langer Zeit in einer solchen Situation, doch die beiden (einzigen) Sphinx-Mitglieder Nine und Twelve trugen Narben davon, die sie ideologisch abhärteten, aber auch für diese Problematik sensibilierten.

Ein Kompliment verdient die Serie für die so und nicht anders gezogenen Spannungsbögen durch Tiefschläge und Oberwasser der Parteien. Nicht nur in diesem Punkt erinnerte mich die Serie stark an Death Note. Zu ihrem Leidwesen knüpfen die anspruchsvollen und genauso anspruchsvoll erzählten Verwicklungen zwischen den Akteuren an mittlerweile inflationär gebrauchte Motive an, zum Beispiel die mit besonderen intellektuellen Fähigkeiten ausgestatteten Jugendlichen oder ein herzloses wissenschaftliches Experiment als Wurzel des Konflikts – bezeichnenderweise spielen einige davon bald kaum bis gar keine Rolle mehr. Damit verbinden sich einige Ungereimtheiten: Nine und Twelve melden sich zur Tarnung als Austauschschüler an einer Tokyoter Schule an, bevor sie den Anschlag auf das Regierungsgebäude ausführen, doch hinterher werden sie kein einziges Mal mehr in dieser Schule gezeigt. Offenbar gaben sie ihre Tarnung auf, und die nachfolgenden Geschehnisse hätten ihnen tatsächlich keine Zeit für Unterricht und Prüfungen gelassen. Welchen Nutzen hatten sie von der Tarnung, und war es nicht sogar riskanter, nach dem Anschlag die Schule wieder zu verlassen, besonders wenn landesweit bekannt ist, dass sich zwei Jugendliche als Täter ausgeben? Meine einzige Erklärung dafür ist der Nutzen für die Autoren, sie in der Schule auf Risa Mishima treffen zu lassen. Das ist nur ein Beispiel aus einer Reihe unwahrscheinlicher, aber dem Fortschritt der Story sehr entgegenkommender Handlungen.

Auch das Ende, obwohl mitreißend, kann einige Schwachstellen, wie eine zu kurz geratene Decke, nicht verbergen. Ohne zu viel zu verraten: Der Einsatz des Sphinx-Duos ist wahnsinnig, verrückt, ja, unmenschlich hoch. Das hätte, salopp formuliert, auch ins Auge gehen können, und das wäre es dann mit all den schönen Plänen und ihrer Rechtfertigung gewesen.

Auch wenn die Serie erkennbar nicht so clever ist, wie ihre Macher denken, versteht sie es doch, in verleichbar wenig Spielzeit eine sehr dichte, atmosphärische, erwachsene und verdammt spannende Geschichte mit leider klischéebehafteten politischen Bezügen zu erzählen.

Art & Animation: 10

Ich merke selber, dass sich meine Bestwertungen in dieser Kategorie häufen, aber entweder ist die Qualität in den letzten sieben Jahren allgemein stark gestiegen, oder ich habe Glück mit der Auswahl der Anime, die ich gucke. Mein erster Eindruck war der eines schönen, aber in seinen gestochen scharfen Bildern hin und wieder steril wirkenden Animes. Viele “Kamera”-Einstellungen, abwechslungsreiche, detaillierte und realistische Objekt- und Landschaftsdesigns (die schönsten Autos seit Ghost in the Shell – Stand Alone Complex) und einige nette Spielereien wie Risas Spiegelbild in Nines Brillengläsern in einer Detailaufnahme von Nines Gesicht beeindruckten mich allerdings doch. Mein einziger Kritikpunkt: Schenkt den armen Polizisten doch mal ein paar neue Krawatten und Hemden – die müssen ja jeden Tag die gleichen Klamotten tragen! Besonders Hauptkommissar Kurahashi kann sich einen zweiten Schlips leisten!

Musik & Sound: 8

Da Youko Kanno für die Musik verantwortlich zeichnet, kann natürlich nichts anbrennen. Das Opening Theme “Trigger” wird von Yuuki Ozaki gesungen und entfaltete erst beim zweiten Hören seine Wirkung auf mich – angenehm anzuhören, klingt ein bisschen cybermäßig, also nicht völlig unpassend, aber unspektakulär, bis auf die letzten paar Verse, die Ohrwurmqualität haben. Das Ending Theme “Dare ka, Umi o”, gesungen von Aimer, ist in Ordnung, ein langsames, tragisches Auf und Ab, haut mich aber wie die meisten Ending Themes nicht vom Hocker. Der Soundtrack fiel mir positiv auf: Unheilvolles Plätschern und kurzes Dröhnen in Momenten der Konzentration kündigen neue Storyentwicklungen an, langsames Trommeln bei Recherche und Ermittlungen, schnelle Beats bei Verfolgungsjagden: Die Musik ist stets gut auf die Situation abgestimmt. Mir fehlten noch ein paar Stücke mit Erinnerungswert.

Charaktere: 8

Die ersten zwei Folgen ließen mich schon wieder Schlimmes ahnen! Austauschschüler, überhaupt: Schule, Jugendliche, noch dazu Superhirne, für die selbst die Konfrontation mit der Polizei ein Kinderspiel zu sein scheint, Träume von einem schlimmen Ereignis in der Vergangenheit … Wann hört das endlich auf, wann sehe ich endlich einmal etwas Neues, verdam… Oh. Etwas Neues! Ich sehe Menschen mit nicht-eindimensionalem Charakter und differenzierten Beweggründen. Beginnen wir mit Sphinx: Nine ist der dominante von beiden, derjenige, der im Wesentlichen die Entscheidungen trifft, aber nicht indem er sie Twelve aufzwänge, sondern vielmehr in einem seit der frühen Kindheit sehr ähnlichen Denken wie sein Kamerad und daher in einem lange gelebten gegenseitigen Einverständnis. Er strahlt eine konsequente Härte aus, die Twelve jedoch hin und wieder aufzuweichen vermag. Twelve ist zweifellos der mitfühlendere und fröhlichere von beiden und auch für waghalsige Manöver zu gewinnen. Beide Sphinx-Terroristen, aber besonders der unverschämt gut gelaunte und lässige Twelve, waren mir zunächst unsympathisch, da ihnen scheinbar alles mit Leichtigkeit gelang (und natürlich ihrer Terrorakte wegen), aber es ist ein gutes Zeichen, wenn man als Zuschauer positive oder negative Gefühle den Charakteren gegenüber hegt, solange sie nicht einem schwachsinnig unlogischen Verhalten geschuldet sind, das die Immersion zerstört. Sie entwickeln sich jedoch im Laufe der Geschichte weiter, und damit ist glücklicherweise nicht bloß die Aufklärung ihrer doch eher mittelmäßig originellen und gleichermaßen interessanten Vergangenheit gemeint, sondern wirklich eine Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit.

Über Risa Mishima müssen scheinbar nur wenige Worte verloren werden. Sie ist jung, nett, naiv, hübsch und für die Geschichte nur punktuell von Bedeutung, und dabei könnte man es belassen, wenn sie nicht eine eigene traurige Last zu schultern hätte: Ihre Mutter scheint mit (Küchenpsychologie!) krankhaften Verlustängsten geplagt zu sein, die sie ihre Tochter im Sekundentakt SMS schicken und zuhause laut werden und aggressiv klammern lassen. Das alleine ist schon eine schwer auszuhaltende Situation, doch sie ist um ein Vielfaches schlimmer, weil Risa selbst keine Kraft mehr aufbringen kann, ihrer Mutter zu helfen. Risa wird in der Schule gemobbt, ist eine Außenseiterin, hat keine Freunde, kommt nach der Schule erschöpft nachhause, ein Zuhause, das kein Rückzugsort für sie sein kann. Nun wird sie (storytechnisch ziemlich konstruiert) in den ersten Anschlag von Sphinx hineingezogen, und vor diesem tristen Hintergrund wirken die beiden Terroristen wie Heilsbringer aus einer besseren Welt, einem besseren Leben.

Das Ermittlungsteam der Polizei kann mit der größeren Vielfalt von Personal ein paar leichtere Momente einstreuen, allen voran natürlich der beleibte Mukasa, für den in abgewandelter Form gilt: Kindermund tut Wahrheit kund. Kurahashi als Shibazakis direkter Vorgesetzter gefiel mir besonders gut wegen seiner ambivalenten Haltung dem Kommissar gegenüber: Shibazaki wurde vor vielen Jahren ins Archiv versetzt, weil er dem Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei zu nahe rückte, und dies wirft er ihm an einer Stelle als Fehler vor – andererseits ist ihm seine Sturheit sympathisch, wie er immer wieder mit zugesteckten Informationen und Billigung seiner Pläne beweist. Shibazaki selbst ist der typische unbestechliche und unbelehrbare Cop mit lose gebundener Krawatte, wie wir ihn aus tausendenden Filmen und Büchern kennen, aber dieser Typ ist uns trotzdem immer wieder sympathisch, und so ist es auch Shibazaki.

Obwohl die Motivation der Schurken mir durchaus einleuchtet, ist es schade, dass dieser Anime überhaupt so klar erkennbare Schurken zeichnete. Da sind zwei Hauptcharaktere schon Terroristen, und dann fällt man trotzdem überwiegend wieder auf eine klare Gut- und Böse-Rollenverteilung zurück. Und weißes Haar, leuchtende Augen, verstörendes Outfit – origineller ging es nicht, Five?

Fazit:

Obwohl mir nach den ersten sehr vielversprechenden, rasanten Minuten kleine Zweifel an der Serie kamen, überzeugte mich Terror in Resonance vor allem durch seine spannende, atmosphärische, wenn auch stellenweise übertriebene oder unlogische Geschichte und durch die (überwiegend) vielschichtigen Charaktere. Passende Hintergrundmusik und die hervorragende Optik machen die Serie erst recht zu einem, wenn auch kurzen, Vergnügen!

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Die Zeiten werden rauer, Anime!

Eine Schockwelle erfasst die Anime-Produktionsstudios, denn Kelhim ändert sein Bewertungsverfahren!

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Wer auf den Link zu einer meiner Anime-Reviews klickt, kann meine Gesamtwertung für den Anime in dem neuen Banner im Kopf der Seite sehen. Weil ich viel lieber Reviews über Anime schreibe, die mir gefallen, fallen die meisten meiner Urteile gut aus. Die Grundlage meiner Bewertungen war dabei stets (soweit ich das noch beurteilen kann, viele Reviews stammen aus 2007) die Formel:

0,3 * Story + 0,2 * Art & Animation + 0,2 * Musik & Sound + 0,3 * Charaktere

Diese Formel führt mittlerweile zu einem Problem. In den letzten Jahren wurden Anime (zumindest jene, die ich gucke) immer schöner und schöner, aber nicht unbedingt immer intelligenter und aufregender. $RANDOM_MALE_HERO kann mir das bestätigen. Weil die A&A-Wertung immer öfter gut oder sehr gut ausfällt, selbst wenn Story und Charaktere stinken, verzerrt sie die Gesamtwertung.

Darum ändere ich mein Bewertungsverfahren an zwei Stellen. Erstens gilt für alle zukünftigen Reviews eine angepasste Formel:

0,35 * Story + 0,15 * Art & Animation + 0,15 * Musik & Sound + 0,35 * Charaktere

Die erzählerischen und die eher handwerklichen Kategorien stehen sich nun in einem Verhältnis von 70:30 statt ehemals 60:40 gegenüber. Zweitens vergebe ich die Punkte 8, 9 und 10 unter strengeren Bedingungen.

10 – hinterlässt bleibenden Eindruck
9 – alles ist gut oder hervorragend
8 – ganz überwiegend gut, hat ein paar kleine Schwächen
7 – überwiegend gut, hat ein paar große Schwächen
6 – hat große Schwächen, aber auch ein paar gute Seiten
5 – schlecht, aber gute Ansätze erkennbar
4 – sehr schlecht, Ansätze kaum erkennbar
3 – abgrundtief schlecht, aber vielleicht unfreiwillig lustig
2 – Absturz
1 – Gnnnrrrraaaaagghhh!

Früher deckte meine 8 ein viel breiteres Spektrum ab. Der Unterschied macht etwa einen Punkt aus. Die Änderungen gelten ab heute, denn später am Abend erscheint meine Review von Terror in Resonance.

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Anime-Review: Another

Worum es geht

Eine allseits beliebte Mittelschülerin kommt tragisch ums Leben – doch ihre Klasse nimmt ihren Tod nicht hin und verhält sich bis zum Schulabschluss so, als sei ihr nichts geschehen. Und tatsächlich lächelt sie auf dem Abschlussfoto in die Kamera. 26 Jahre später leben die nachfolgenden Schüler des Klassenzugs in Angst vor dem Fluch, der jeden Monat Schüler und Angehörige tötet …

12 Episoden, P.A. Works

Another | Screenshots

Story: 7

Was sich zunächst wie ein klassischer Vertreter von Horrorfilmen nach dem Schema “Und dann gabs keines mehr” präsentiert und keine Gelegenheit auslässt, über die Jahre symbolhaft aufgeladene Elemente wie verstörende Puppen, Augenklappen oder nächtliche Fahrstuhlfahrten alle paar Minuten wie blinkende Hinweisschilder zu platzieren, spielt in Wirklichkeit sehr intelligent mit den Erwartungen des Zuschauers und erzeugt sie mit ganz einfachen Mitteln. Nachvollziehbarerweise vertiefe ich mich nicht in Details, doch beispielhaft sei die Puppe erwähnt, die Misaki anfangs mit ausdruckslosem Gesicht mit sich in Richtung Leichenhalle eines Krankenhauses trägt: Wir alle wissen dank unserer film- und besonders animegeschichtlichen Erfahrung sofort, dass mit diesem Mädchen etwas nicht stimmt, ja, sogar ganz gehörig schiefläuft. Gleichzeitig sind es solche Szenen, die aus denselben Gründen eher Neugier wecken denn Grusel erzeugen. Wie in einem Geisterfilm, in dem jemand an einem großen Spiegel vorbeiläuft und die Erwartung einer schrecklichen Reflektion provoziert, die, egal ob sie erfüllt wird oder nicht, den beabsichtigten Schrecken berechenbar macht, spüren wir auch hier bereits die Kälte der Geisterwelt aufsteigen, ohne zu frösteln. Doch der Anime ist genrekompetent genug, sich dies zunutze zu machen.

Im Kern ist der Anime also ein Krimi und kein Horrorfilm. Hinweise werden implizit und explizit gegeben, und es lohnt sich, einige Szenen ein zweites Mal zu sehen und den Gesprächen aufmerksam zu folgen. Leider entscheidet er sich aus unverständlichen Gründen gegen einen Schluss, der tatsächlich von der Aufmerksamkeit des Zuschauers profitiert.

Soweit ich weiß, unterscheidet sich das Ende von dem seiner Mangavorlage, die wiederum wie so oft auf einem Light Novel basiert, doch Anime dürfen sich als eigenständige Werke durchaus von den Fesseln des Grundstoffs befreien und eigene Wege einschlagen. Ich kritisiere das Ende des Anime nicht, weil es vom Manga abweicht, sondern weil es sich innerhalb des Anime wie ein Fremdkörper anfühlt. Bis dahin vielversprechende Handlungsstränge werden nicht befriedigend zuendegeführt, zentrale Enthüllungen fühlen sich mangels Hinweisen oder wenigstens Andeutungen wie unfaire Taschenspielertricks an, und meine Güte, wer hat den Charakteren den letzten Funken Verstand aus dem Schädel geprügelt, dass es so weit kommen muss? Viele Fragen wurden nicht beantwortet und zwar nicht auf eine ambivalente Art nicht beantwortet, die Raum für die eine oder die andere folgenschwere Möglichkeit gibt, sondern überhaupt nicht – als seien sie vergessen worden. Gegebene Antworten wiederum sind nicht erst auf den zweiten Blick unlogisch. Das Schlimmste von allem ist, dass dieses unausgegorene Ende vermeidbar gewesen wäre. Doch darauf werde ich vielleicht in einem separaten Eintrag ausführlicher eingehen und an dieser Stelle auf Spoiler verzichten. Positiv möchte ich allerdings hervorheben, dass der Schluss trotz allem nicht so vorhersehbar ausfällt, wie man nach einigen Folgen eben wegen Erfahrungen mit ähnlichen Handlungskonstrukten berechtigterweise hätte erwarten können. Das ist und bleibt der große Pluspunkt der Serie: Sie wandelt auf eigenen Pfaden. Das honoriere ich und teile nicht die Meinung, dass alles Vorherige, Schöne, Spannende, Unterhaltsame von einem schlechten Ende diskreditiert wird.

Art & Animation: 10

Am besten lässt sich die optische Qualität am Beispiel des Yomiyama-Mittelschulgebäudes beschreiben: Die steinernen Stufen zum Schulhof weisen lauter Sprünge und Kratzer auf, von den Bänken auf dem Hof blättert blauer Lack ab, an den Innenwänden und besonders unter den Fenstern sieht man die Spuren längst getrockneten schmutzigen Wassers, das Geländer auf dem Dach ist von Rost zerfressen. Wer sich an den Zustand der eigenen Schule erinnert, wird bei manchem Anblick nostalgisch lächeln, denn so sehen Gebäude aus, nicht so unversehrt und rein wie in anderen Anime. Die Umwelt in diesem Anime ist voller Gebrauchsspuren, die ihr Alter und Geschichte verleihen. Allgemein ist die Grafik der Serie wahnsinnig detailverliebt bis zu dem Punkt, dass man die Holzmaserung von Tischen irgendwo im Hintergrund erkennt. Manchmal geht sie etwas zu weit, zum Beispiel wenn die Raufasertapete im Hintergrund gestochen scharf ist und vom Sprecher im Vordergrund ablenkt, wie mir das in der dritten Folge besonders auffiel. Ein bisschen mehr perspektivische Unschärfe täte ihr gelegentlich gut.

Erstaunlich ist die geringe Zahl von Standbildern: Man ist ja gewohnt und akzeptiert auch, dass die Figuren in Weitwinkelansichten nicht animiert werden, sondern das Bild nur in eine Richtung geschoben und mit einem Lebhaftigkeit simulierenden Stimmenauflauf unterlegt wird – hier nicht. Auch das computergenerierte spiegelnde Flusswasser fügt sich wunderschön in die Landschaft ein und ist ein glänzendes Beispiel für die gelungene Integration von CGI in handgezeichnete Bilder, wie sie noch häufiger zu bewundern ist: Wellen am Strand, Regenpfützen, ja, selbst Staub.

Musik & Sound: 9

Mit langsamen Retorten-Balladen wie dem Ending Theme kann ich bekanntlich nichts anfangen, und ich beginne zu glauben, dass Japaner im Durchschnitt einfach einen anderen Musikgeschmack haben als ich, anders kann ich mir das nicht mehr erklären. Mittlerweile höre ich mir die allermeisten Ending Themes einmal, höchstens zweimal an und breche danach die Wiedergabe ab. Sorry, Annabel. Aber das ist ein anderes Thema! Das Opening Theme von Ali_Project hingegen wechselt zwischen Rasanz und dunkel-hypnotischem Gesang und nimmt zum Schluss wieder Fahrt auf. Die Stimmen sind durchgängig angenehm, keine Piepsstimmen. Die Soundeffekte passen und werden sinnvoll eingesetzt, manchmal wurde ich sogar regelrecht überrascht, dass die Macher sich die Mühe gaben, sie an bestimmten Stellen einzubauen, zum Beispiel das Geräusch des Auftretens auf nassem Sand in der obligatorischen Strandfolge. Einmal konnte mich ein Handyklingeln fast ein bisschen erschrecken, obwohl das Verhalten bei eingehenden Anrufen ganz offensichtlich allein für diesen einen Effekt von Vibrationsalarm auf Klingelton umgestellt wurde. Da ich als Laie nach der Maxime “Wenn mir nichts in Erinnerung bleibt, war es wohl schlecht; wenn mir was in Erinnerung bleibt, kommt es drauf an” bewerte und das Ending Theme mehr oder weniger verzeihe, vergebe ich hier eine hohe Punktzahl.

Charaktere: 8

Im Gegensatz zu vielen anderen Anime, deren Charaktere überwiegend zur selben Schulklasse gehören, werden hier überraschend wenige Klischées fortgepflanzt. Ja, auch diese Serie kennt wieder den Brillenschlangen-Streber, den Joey-Wheeler-Kumpel, das Machoweib, die schüchterne Meganeko, die Geheimnisvolle, den mäßig interessanten Good Guy und viele andere. Allerdings findet man in Schulklassen Vertreter solcher Typologisierungen, darum ist das gar kein Kritikpunkt. Und hier werden sie nicht auf die Spitze getrieben oder gar auf eine Eigenart reduziert, sondern zeigen in vielen kleinen Situationen und Nebengesprächen ihre Wünsche und Gedanken, die sie als eigenständige menschliche Wesen glaubhaft machen: Die Krankenschwester, die sich mit Kouichi anfreundet und ihm bei seinen Nachforschungen über ein vormals dort behandeltes Mädchen helfen will – im vollen Bewusstsein, dass sie eigentlich der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt. Die überhaupt nicht giftig gemeinte Bemerkung eines Schülers zu seinem Freund, die Highschools nähmen heute fast alle Bewerber auf, selbst ihn, er solle sich da mal keine Sorgen machen. Der Gesichtsausdruck, als ein Schüler erfährt, dass die Mitschülerin, die er wahrscheinlich mag, auf eine Highschool in Tokyo wechseln wird, wohin er ihr nicht folgen kann. Kouichis Tante Reiko, die so mustergültig brav aussieht, aber am Steuer ihre Mitfahrer schlucken lässt. Kouichis kurze Handygespräche mit seinem in Indien forschenden Vater. Es sind unwichtige Kleinigkeiten, welche die Charaktere authentisch und mehrdimensional wirken lassen und den Zuschauer zu einem gelegentlichen Grinsen verleiten. Ein weiterer Charakter ist definitiv ein japanischer Dick Hallorann, was ja auch nicht schlecht ist.

Natürlich haben sie auch Schwächen, und es sind besonders die beiden Hauptpersonen Kouichi und Misaki, die Tiefe bzw. Logik vermissen lassen. Dazu muss ich nicht viel schreiben, denn das wird sich in der letzten Folge von selber erklären, aber es sei gesagt, dass Misakis Augenklappe vielleicht das nutzloseste, ja, schädlichste vormals als bedeutsam dargestellte Accessoire ist, das ich seit Langem in Anime gesehen habe. Die für die Story bedeutsamen Gedächtnislücken scheinen auch ziemlich willkürliche Ausprägungen anzunehmen. Und die große Enthüllung am Schluss ist nicht nur erzähltechnisch, sondern auch charakterlich ein Witz. Überhaupt fallen bei den meisten Mitschülern am Ende ein paar Millionen Synapsen aus. Und gewissen Erwachsenen, für die eine, wie ich finde, sehr schwache Erklärung gegeben wird.

Obwohl Kritik am Verhalten mancher Charaktere mehr als angebracht ist, empfand ich sie in anderen Aspekten die meiste Zeit über als wohltuend … normal, glaubhaft und später sogar sympathisch.

Fazit:

Mehr Splatter-Krimi als Horror ist Another eine intelligent erzählte Geschichte mit fantastischer Grafik und Animationen, menschlichen Charakteren statt Abziehbildern und einem schwachen Ende, das unfreiwillig den Fokus auf einige Storylücken setzt, statt sie zu füllen, wie es mit den bis dahin gestreuten Hinweisen möglich gewesen wäre. Trotz dieser größten Schwäche ist der Anime spannend, geheimnisvoll und unterhaltsam, und mit nur zwölf Episoden wurde genau die richtige Länge für eine solche Geschichte gewählt.

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How to GIMP: Pergament-Textur

Mit einem fulminanten How to GIMP-Eintrag über Pergament-Texturen melde ich mich aus dem Sommer-, Herbst- und Winterschlaf zurück! Und weil es dafür schon unzählige Tutorials im Internet gibt, dachte ich: “Hey, was die Welt braucht, ist noch eins von mir!” Willkommen bei Animentor.de – Leistung aus Leidenschaft.

Man braucht eine kleine Palette sehr nah beieinander liegender Farben, denn ein zu starker Farbkontrast erhöht die Tiefe des Bildes und erinnert mehr an rauen Stein denn an einen glatten Beschreibstoff. Für altes Pergament bieten sich Ockertöne an, neu hergestelltes Pergament ist deutlich heller. Ein altes Schriftstück könnte diese sechs Farben verwenden:

Eine mögliche Farbpalette für ein altes Pergament.

Eine mögliche Farbpalette für ein altes Pergament.

Jede Farbe füllt eine ganze Ebene, dabei liegt diejenige Farbe ganz unten, welche das Pergament dominieren soll. Danach erstellt man im Dialog “Kanäle” einen neuen Kanal mit 100%-iger Deckkraft und fügt darauf ein plastisches Rauschen (“Filter” -> “Render” -> “Wolken” -> “Plastisches Rauschen”) mit Zufallswert, X- und Y-Werten von 10 oder mehr und Details von 15 ein.

Plastisches Rauschen

Plastisches Rauschen

Das Ergebnis ist ein grauer Nebel, dessen Fetzen aber kaum zusammenhängen.

Plastisches Rauschen – konturloser Nebel …

Plastisches Rauschen – konturloser Nebel …

Das muss sich ändern, und dafür schärft man ihn mit einem Wert von 95 (“Filter” -> “Verbessern” -> “Schärfen”). Dann öffnet man den Dialog “Farben” -> Werte” und schiebt den schwarzen Regler im Quellwerte-Histogramm so lange nach rechts, bis der linke Wert bei etwa 170 liegt – der weiße Regler wandert dann so lange nach links, bis der rechte Wert etwa 180 beträgt. Der Kanal muss nun unsichtbar gemacht werden.

Plastisches Rauschen – zusammenhängende Flecken

Plastisches Rauschen – zusammenhängende Flecken

Nachdem man die oberste Ebene ausgewählt hat, fügt man eine Ebenenmaske aus dem eben erstellten Kanal hinzu. Unter den weißen Flächen der Maske bleibt die obere Ebene sichtbar, unter den schwarzen Flächen scheint die darunterliegende Ebene durch. Das Ergebnis ist eine Grundfarbe mit ein paar Tupfern oder Flecken.

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – gut, aber es geht noch besser …

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – gut, aber es geht noch besser …

Das Verfahren lässt sich mit allen Ebenen (außer der untersten) wiederholen. Wer diesen Absatz nicht zuende liest, wird wahrscheinlich bemerken, dass die Tupfer aller Ebenen an denselben Stellen erscheinen – logisch, wenn man die genau die gleiche Ebenenmaske benutzt. Die Lösung ist aber einfach und erfordert gar keine neuen Kanäle mit plastischem Rauschen: Weil Ebenenmasken genau wie die Ebenen selbst bearbeitet werden können, reicht es, sie einfach im Ebenendialog zu markieren und sie in 90-Grad-Winkeln zu drehen (“Ebene” -> “Transformieren”) – schon hat man die Tupfer an anderen Stellen. Noch mehr variieren kann man, indem man die Ebenenmaske vergrößert (“Ebene” -> “Ebene skalieren”) – auf diese Weise werden die Tupfer größer oder kleiner, was die Struktur des Pergaments wesentlich interessanter macht.

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – verschiedene Transformationen erzeugen vielfältigere Struktur

Plastisches Rauschen als Ebenenmaske – verschiedene Transformationen erzeugen vielfältigere Struktur

Schließlich werden die Ebenen zusammengefügt oder aus dem Sichtbaren ein neues Bild erzeugt (“Bearbeiten” -> “Sichtbares kopieren” bzw. “Einfügen als”). Wem das Ergebnis zu körnig ist, kann es natürlich noch weichzeichnen (“Filter” -> “Weichzeichnen” -> “Gaußscher Weichzeichner”). Und wer es wie ich als Textur verwenden möchte, macht es nahtlos, damit es an allen Seiten beliebig oft wiederholt werden kann, ohne dass die Grenzen des Bildes erkennbar sind: “Filter” -> “Abbilden” -> “Nahtlos machen”).

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Check in the Box: Kampf gegen Spam

Ha, Check in the Box, haha! Ihr wisst schon, weil es ja eigentlich Jack in the … *räusper* Jedenfalls! Spam! Ein ernstes Problem!

Announcement: A really important announcement is to be announced after announcing this announcement!

Announcement: A really important announcement is to be announced after announcing this announcement!

Obwohl dieser bei aller Bescheidenheit ziemlich großartige Blog nicht sooo bekannt ist, zieht er eine beachtliche Menge Spam an wie eine Straßenlaterne die Mücken. Glücklicherweise landen 99% automatisch im Mülleimer. Es waren einmal 100%, doch leider kommen die letzten ein Prozent nun beinahe täglich durch den Filter. Diese Kommentare sind einerseits sehr schmeichelhaft (And I will spice up my entry titles, many thanks for the suggestion, CheapDesignerShoes555!), andererseits bin ich wie gesagt sehr bescheiden und verzichte darum gerne auf sie.

Ab jetzt befindet sich unter dem Textfeld für neue Kommentare eine kleine Checkbox. Um den Kommentar abzuschicken, muss zuerst der Haken oder das Kreuzchen, oder was auch immer bei euch angezeigt wird, entfernt werden. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein hoffentlich unmöglicher Schritt für Spam-Bots!

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